Spermasexing:

Neue Möglichkeit zur Geschlechtsbeeinflußung über die Besamung

In der Rinderhaltung ist das Geschlecht des Kalbes bestimmend für dessen Nutzung in der Milchproduktion oder in der Fleischproduktion. Milcherzeuger haben den weit größeren Nutzen von weiblichen Kälbern, männliche Kälber sind für diese nicht ganz so wertvoll.

Dieser Nutzen aus weiblichen Kälbern wird in den letzten Jahren zunehmend bedeutender, da die Preise für Kalbinnen zur Herdenergänzung und für Exportfärsen besonders stark angestiegen und Ausdruck für deren relative Knappheit sind. Auf diese Verschiebung gibt es eine angepasste Reaktionsmöglichkeit. Wege, das Geschlecht des Kalbes über die Besamung zu beeinflussen, sind deshalb seit langem angestrebt und nun auch für die Praxis verwertbar. Mit dem sogenannten Spermasexing gelingt es, Samenportionen so aufzubereiten, dass sie bei 10 Kälbern mindestens 9 mit weiblichem Geschlecht hervorbringen.

Vorteile einer vergrößerten Zahl weiblicher Kälber sind insbesondere: Besserer Herdennachersatz für Abgehende, Geschlossenhalten des Eigenbestandes – kein Einschleppungsrisiko von Krankheitserregern über Fremdzutreter, leichtere Geburten wegen geringerem Geburtsgewicht, Färsennutzung auch mit bester Bullengenetik, schnellere Herdenvergrößerung ohne Fremdzukauf, gezielte Vermehrung bewährter Linien im eigenen Bestand, hohe Zusatzeinträge durch Exportverkauf überzähliger Färsen, zusätzliche Wertschöpfung bei erschöpftem Milchkontingent.

Die inzwischen aus den Kinderschuhen erwachsene Methode des Spermasexing über die Durchfluss-Samenzell-Vereinzellung im Laserlicht, bedient sich am Gewichtsunterschied im Erbgut (DNA) der Samenfäden. „Weiblich vorherbestimmende“ wiegengegenüber „männlichen“ Spermien durchschnittlich etwa 3% mehr. Diesen zwar kleinen Unterschied zwischen den nach Zahl normalerweise geschlechtshälftigen Anteilen der Spermien im Samen kann eine jahrzehntelang fortentwickelte Sortiertechnik messen und die Spermien separat lenken.

Dazu wird Samen auf 10 Mio. Spermien pro ml verdünnt und für die Trennprozedur des Durchfluss-Zellmessgeräts (Flowzytometer) mit Fluoreszenzfarbstoff angefärbt. Die Spermien werden im Gerät angesaugt und einzeln im Tropfen mit energiereichem Laserlicht bestrahlt. Dies regt die Spermien zur Rücksendung des Fluoreszenzsignals an, welches je nach der Menge des DNA-Gehalts stärker oder schwächer ist. Eine Fotozelle registriert das Signal und leitet es an einen Computer weiter, der den Spermium-enthaltenden Flüssigkeitstropfen nach der Strahlungsintensität elektrisch auflädt. In Fallrichtung findet dann eine Ablenkung im elektrischen Feld nach dem Gewicht in das „männliche“ oder in das „weibliche“ Sammelröhrchen statt.

Alle nicht klar zuordbaren oder biologisch geschädigten, nicht strahlenden Samenfäden werden verworfen, so dass man im Gegensatz zu herkömmlich verarbeitetem Sperma hoch aufgereinigtes und vitaleres erhält, welches nach Spermienkonzentration und -zahl pro Samendosis deshalb auch geringer sein kann.

Obwohl der technische Trennvorgang in seiner Geschwindigkeit in der Vergangenheit beständig stark beschleunigt werden konnte und dies wohl auch noch weiter werden wird, enthalten die gesexten Samenportionen für den Praxiseinsatz insgesamt weniger Samenfäden als herkömmliche Samenportionen. Für gute Befruchtungsergebnisse sollten deshalb auch gute Voraussetzungen geschaffen werden. Besonders geeignet für die Besamung mit gesextem Sperma sind Jungrinder, bei denen leichtere und schonende Geburten durch gewöhnlich geringere Geburtsgewichte von Kuhkälbern zu erwarten sind. Durch kürzeres Generationsintervall wird höherer genetischer Fortschritt erzielt, im Schnitt hat man Tiere für die eigene Herdenergänzung früher. Jungrinder haben bessere Trächtigkeitsraten als Milchkühe und da sie eine enger umgrenzte Zeitzone des Eisprunges haben, reicht weniger befruchtungsfähiges Sperma für eine sichere Konzeption.

Feldversuche mit gesextem Sperma im Vergleich zu herkömmlichen Sperma weisen etwa gleichgute Ergebnisse bei Kalbinnen aus, bei Kühen sind sie etwa um 10 Prozentpunkte geringer, was durchaus auch hinnehmbar ist, wenn man es an der höheren Wertschöpfung aus der Besamung für ein weibliches Kalb misst.

Nähere Auskünfte erhalten Sie bei Interesse über die Station.